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Kinder- u. Jugendpsychiatrie

Forschung



Forschungsschwerpunkte

Das ADHS ist die im Kindes- und Jugendalter am häufigsten diagnostizierte psychiatrische Störung mit Krankheitswert. In mehreren Studiendesigns wurden Stichproben zu Fall-Kontroll-Untersuchungen, Familienstichproben und Großfamilien rekrutiert. Mittels Anwendung von formal- und molekulargenetischen, neuropsychologischen, neurophysiologischen und funktionellen bildgebenden, tierexperimentellen und genexpressionsanalytischen Verfahren soll zur Aufklärung der Pathogenese der ADHS beigetragen und die Bedeutung von Endophänotypen und komorbiden Erkrankungen im Langzeitverlauf untersucht werden. Diese Untersuchungen erfolgen methodisch vernetzt und werden in enger Kooperation mit der  Klinik für Psychiatrie Psychosomatik und Psychotherapie und weiteren Kliniken und Instituten der Universität durchgeführt (Klinik für Nuklearmedizin, Institut für Psychologie I, Institut für Röntgendiagnostik). Weiter bestehen Kooperationen mit zahlreiche Kliniken und Instituten in Deutschland sowie internationalen Forschungskonsortien zu ADHS.

In klinischen Studien werden die Wirksamkeit und Sicherheit von lang freisetzenden Methylphenidat-Präparaten im Rahmen multizentrischer Studien bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS geprüft. In Kooperation mit dem Institut für Toxikologie (Prof. Dr. H. Stopper) wird das Auftreten möglicher unerwünschter Wirkungen (wie Chromosomenaberrationen) unter der medikamentösen Therapie untersucht. Im Rahmen des BMBF-Schwerpunktnetzwerk ADHS wird die Wirksamkeit eines Elterntrainings bei Kindern mit ADHS in Abhängigkeit von der Behandlung ihrer ebenfalls betroffenen Mutter untersucht.

Die Untersuchungen zum ADHS werden durch die DFG, das BMBF, das IZKF der Universität und verschiedenen pharmazeutischen Unternehmen gefördert.

  • Biomarker (DFG-HU1536-1/-2)

Ein „biologischer Marker“ ist definiert als ein charakteristisches Merkmal, das - nach der Validierung - der objektiven Messung normaler biologischer und pathogenetischer Prozesse oder der pharmakologischen Ansprechbarkeit auf eine therapeutische Intervention dient. Man setzt große Hoffnung in die Entwicklung von Biomarkern, da man mit deren Hilfe eine wesentliche Verbesserung der Diagnose und der Therapieüberwachung auch von psychiatrischen Krankheiten erreichen könnte.

Mithilfe verschiedener Verfahren (Real-time PCR, Proteomics, Riechtest) werden potenzielle Messparameter evaluiert, in der Hoffnung, dass durch deren Verwendung frühzeitig und sicherer Erkrankungen wie ADHS, Autismus-Spektrumstörungen und Schizophrenien diagnostiziert werden können.

Als potenzielle Biomarker juveniler Schizophrenien ließen sich Unterschiede in der mRNA-Expression mitochondrialer Gene identifizieren. Bei Patienten mit Autismus-Spektrumstörungen zeigten sich mittels massenspektrometrischer Verfahren Unterschiede im Serum-Proteinmuster, die nach Validierung als peripherer Marker Verwendung finden könnten (DFG-Forschungsstipendium HU 1536-1/-2).

Diese Untersuchungen werden in Kooperation mit anderen Universitäten durchgeführt (Prof. Dr. Mehler-Wex, Ulm; Prof. Dr. H. Reichman, Dresden; Prof. Dr. J. Thome, Swansea, UK; Prof. Dr. K. Marcus, Bochum).

  • Entwicklungsabhängige Psychopharmakologie (BMBF-Projektförderung)

Aufgrund der eingeschränkten Datenlage orientiert sich die Handhabung moderner Psychopharmaka im Kindes- und Jugendalter an den Erfahrungen aus dem Erwachsenenbereich, was den zahlreichen pharmakokinetischen und pharmakodynamischen alters- und entwicklungsabhängigen Besonderheiten Minderjähriger nicht gerecht wird. Erschwerend weisen Kinder und Jugendliche eine erhöhte Vulnerabilität gegenüber unerwünschten Arzneiwirkungen auf. Zur Verbesserung der Patientensicherheit und Schaffung eines Qualitätsstandards in Pharmakotherapie nimmt die Klinik am internationalen multizentrischen Kompetenznetz zur Etablierung eines standardisierten Therapeutischen Drug-Monitoring (TDM) in der Kinder- und Jugendpsychiatrie teil. Unter TDM versteht man die Arzneimitteldosierung unter Kontrolle von  Serumkonzentration zur Einstellung des therapeutischen Bereichs und Vermeidung von Über- und Unterdosierung. Die Datenerfassung erfolgt standardisiert über ein Internet-basiertes Patientenregister. Neben der Erfassung von Blutspiegeln, Patientencharakteristika (u.a. Alter, Entwicklungsaspekte) und Angaben zur Medikation werden syndromspezifische Wirksamkeit und unerwünschte Wirkungen zu Beginn und im Verlauf systematisch erfasst, um therapeutische Konzentrationsbereiche von Psychopharmaka alters- und entwicklungsbezogen neu definieren zu können. Unter dem Titel „TDM in der KJP: Kompetenznetz und Patientenregister für psychopharmakologische Forschung: Etablierung und Weiterentwicklung einer multizentrischen IT-Infrastruktur“ wird das Projekt im Rahmen der Förderung von Instrumenten- und Methodenentwicklungen für die patientenorientierte medizinische Forschung vom BMBF gefördert.

1) Therapiestudie zur juvenilen Anorexia nervosa (BMBF-Teilprojekt Schwerpunktnetzwerk „Behandlung von Anorexia Nervosa im Kindes- und Jugendalter – teilstationäre vs. stationäre Behandlung (ANDI“)  

Fünfzig Prozent der Patienten mit Pubertätsmagersucht erleiden innerhalb eines Jahres nach stationärer Behandlung einen Rückfall. Der Vergleich stationärer mit tagesklinischer Behandlung soll klären, ob mit teilweisem Verbleib der Patienten im Alltag der Familie ein effektiver Therapiezugang von größerer Nachhaltigkeit erreicht werden kann. Nach Ende der Behandlung werden die Ergebnisse der stationären Behandlung mit denen der tagesklinischen Behandlung verglichen. Teilnehmende Zentren sind die kinder-jugendpsychiatrische Universitätskliniken Aachen, Freiburg, Köln, Berlin und Würzburg sowie die Klinik in Köln-Holweide und die Tagesklinik Düren).

2) Katamnesestudie zur juvenilen Anorexia nervosa: Der Krankheitsverlauf bzw. die aktuelle Psychopathologie der wegen  Pubertätsmagersucht im Rahmen der ANDI-Studie untersuchten Patientinnen wird 1,5 Jahre nach Beendigung der Therapie erneut erhoben.

Die beiden Therapiestudien werden vom BMBF gefördert. 

  • Legasthenie (DFG (Wa715/7-1) – Multicenterstudie „Neurophysiologische, psychometrische und genetische Untersuchungen zur Lese-Rechtschreibstörung“; Kempkes Stiftung)

Die Lese- und Rechtschreibstörung als Teilleistungsstörung erklärt sich aus Besonderheiten der strukturellen und funktionellen Hirnentwicklung und ist zu 80 Prozent hereditär bestimmt. Die ätiologische Forschung konzentriert sich auf Korrelate zwischen genetischer Ebene und Verhalten (Lesen, Schreiben) und diese wiederum in Bezug zu psychologischen (z.B. akustische Differenzierung) und neurophysiologischen Endophänotypen (z.B. EEG-Parameter).Ein Gen (DCDC2) konnte identifiziert werden, das für die fetale Hirnentwicklung relevant ist. Die genetische Beeinflussung tritt umso deutlicher zu Tage, je schwergradiger die Legasthenie ist. Die Stichprobenrekrutierung erfolgte in Würzburg und Marburg. Kooperationspartner sind: Prof. Dr. H. Remschmidt (Marburg), Prof. Dr. G. Schulte-Körne (München), Prof. Dr. T. Grimm (Würzburg), PD Dr. B. Müller-Myhsok (Hamburg), Prof. Dr. M. Nöthen (Bonn), Prof. Dr. P. Propping (Bonn), Prof. Dr. A. Ziegler (Lübeck), Prof. Dr. J. Schumacher (Stockholm, Helsinki).

  • Zwangsstörungen (DFG: WA1618/1-1) „Prospektive Untersuchung zum Verlauf von Zwangsstörungen mit Beginn im Kindes- und Jugendalter“

Die pathophysiologischen Abläufe, Verlauf und Dauer von Zwangsstörungen mit Beginn im Kindes- und Jugendalter sind, trotz Forschungserkenntnissen der letzten Jahre, nur unzureichend bekannt.

In Kooperation mit anderen deutschen kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinika (Prof. Dr. B. Herpertz-Dahlmann, Aachen; Prof. Dr. E. Schulz, Freiburg; Prof. Ch. Wewetzer, Köln, Prof. Dr. J. Hebebrand, Essen) und dem Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie Marburg (Prof. Dr. H. Schäfer) unter Federführung von Frau Prof. Dr. S. Walitza (Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Universität Zürich) Familienuntersuchungen zur Zwangsstörung durchgeführt, die erkrankte Patienten und deren Eltern mit methodisch standardisierten diagnostischen Verfahren untersuchen, um molekulargenetische Untersuchungen im Sinne von Assoziationsstudien zu ermöglichen. Erste, weltweit erstmalig durchgeführte Untersuchungen an kleinen Fallzahlen erbrachten Hinweise für Veränderungen in Genen, die an der serotoninergen und dopaminergen Neurotransmission beteiligt sind. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit internationalen Arbeitsgruppen wurde zur weiteren Aufklärung relevanter genetischer Varianten an einer genomweiten Assoziationsuntersuchung teilgenommen. Diese Untersuchungen wurden durch die DFG und das BMBF gefördert.

Das Auftreten depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen zeigt zunehmende Tendenz und die Symptomatik ist stark alters- und entwicklungsabhängig. Häufige Symptome einer Depression bei Kindern und Jugendlichen sind anhaltende Traurigkeit, Schlafstörungen, Interessenverlust, Appetitminderung sowie Konzentrationsstörungen und Antriebslosigkeit.

Die Auswirkungen einer Depression auf den Alltag (Schule, Familie, Freizeit) und Entwicklungsverlauf der Betroffenen sind oftmals erheblich. Eine frühzeitige Diagnosestellung und fachärztliche Therapie sind ein wichtiger Faktor für den Behandlungserfolg und die Prognose des Patienten.

Die Ursachen der Krankheitsentstehung sind verschieden, eine große Rolle scheinen die genetische Veranlagung sowie biologische Reaktionen auf Überforderungserleben zu spielen.

Die Behandlung umfasst beratende Gespräche, entlastende Maßnahmen im Umfeld des Patienten sowie gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie.